Author : Darré Richard Walther
Title : Neuordnung unseres Denkens
Year : 1940

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Selten hat sich wohl ein Jahrhundert von Anfang an so eindeutig mit seiner grundsätzlichen Aufgabe angemeldet wie gerade unser Jahrhundert. Im Jahre 1900 fanden drei Gelehrte unabhängig von einander den wissenschaftlichen Beweis für die lebensgesetzliche Tatsache der Vererbung von Eigenschaften; es waren dies die Deutschen v. Tschermak und Correns und der Holländer de Vries. Diese Entdeckungen erfolgten unabhängig und auch unbeeinflußt voneinander. Die ganze wissenschaftliche Welt nahm damals an diesen Entdeckungen Anteil. Aber nur wenige Gelehrte ahnten bereits die geistigen Umwälzungen, welche sie auslösen würden; selbst die kühnsten Geister unter ihnen haben sich kaum träumen lassen, welchen Umfang diese geistigen Umwälzungen annehmen würden. Die wissenschaftliche Welt hatte sich von ihrer Überraschung noch nicht erholt, da erreichte sie eine weitere Neuigkeit ebenso überraschender Art, die Tatsache nämlich, daß die Entdeckungen des Jahres 1900 gar nicht so neu waren, sondern schon vorher gefunden worden sind, nur bisher noch nie ernsthaft beachtet wurden. Bereits 25 Jahre früher war ein anderer Deutscher, der Augustinerprälat Gregor (Johann) Mendel, in stiller Gelehrtenarbeit zu den gleichen Forschungsergebnissen gekommen wie die oben genannten drei Gelehrten, allerdings ohne bei seinen Zeitgenossen auf Verständnis zu stoßen. Hatte man sich bisher nicht einigen können, welchem der drei Gelehrten man die Ehre der ersten Entdeckung von der lebensgesetzlichen Tatsache der Vererbung von Eigenschaften zubilligen solle, so war man nunmehr dieser Verlegenheit enthoben. Es war klar, daß diese Ehre dem Augustinerprälat in Brünn in Mähren, Gregor Mendel, zukommen müsse. Daher einigte man sich darauf, in Zukunft den Vorgang der Vererbung von Eigenschaften „Mendelismus“ zu nennen, um solcherweise den Ruhm der Entdeckung dieser Tatsache für alle Zeiten mit dem Namen Mendel zu verkoppeln. Aber diese Entdeckungen hätten vielleicht nur Aufsehen in der naturwissenschaftlichen Welt der Gelehrten ausgelöst, wenn nicht unmittelbar vor der Jahrhundertwende ein gleichgerichtetes Ereignis die Geister Deutschlands aufgerüttelt hätte. Ein Engländer, der sich Deutschland zur Wahlheimat erkor, hatte in deutscher Sprache eine vernichtende Abrechnung mit den geistigen Strömungen des abschließenden Jahrhunderts gehalten und die Tatsache der Rasse als gestaltendes Prinzip der Geschichte, wenn auch noch nicht wissenschaftlich bewiesen, so doch geschichtlich nachgewiesen. Houston Stewart Chamberlain in seinem Werk: „Die Grundlagen des XIX. Jahrhunderts“. Sein Werk rüttelte in einem uns kaum mehr vorstellbaren Maße die Geister auf, heischte Entscheidung, fegte überlieferte Begriffe hinweg und bereitete damit recht eigentlich erst den Boden vor, um die neuen Gedanken von Rasse und Blut keimen und Wurzel schlagen zu lassen. Sein Werk wurde lange Jahre hindurch geradezu die Bibel aller völkischen Deutschen. ...